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01.05.2026

Esra Gülmen - Die Künstlerin, die Gegensätze ins Gleichgewicht bringt

Uncensorable, Little Girl in the Pool, 2024

Text: Marcus Boxler

Ihre Kunst ist direkt. Sie verwendet kurze Sätze, Fragen, Behauptungen, aber auch prägnante Bilder zu vorbildlichen Botschaften.

FÜR ESRA GÜLMEN (*1986 IN ISTANBUL) IST KUNST NICHT NUR EINE ÄSTHETISCHE PRAXIS, SONDERN EIN AKT DER SICHTBARMACHUNG. DIE BERLINER KÜNSTLERIN, DIE EINST ALS PREISGEKRÖNTE DESIGNERIN KARRIERE MACHTE, BRINGT IN IHREN ARBEITEN GEGENSÄTZE INS GLEICHGEWICHT: HÄRTE UND ZARTHEIT, SICHTBARKEIT UND STILLE, SPIEL UND ERNST. ZWISCHEN INSTALLATION, TEXTKUNST UND PERFORMATIVER GESTE SCHAFFT SIE RÄUME, DIE DAZU EINLADEN, SICH NEU ZU VERORTEN.

Sebastian Peters: Unsere Kundschaft genießt den Vorteil, dass ihre Handwerkerinnen und Handwerker auch ihre Designerinnen und Designer sind – und umgekehrt. Man kann sich bei uns sicher sein, dass das, was entworfen wird, auch gebaut werden kann. Wir gehen den gesamten Prozess im Team durch und setzen uns vor allem intensiv mit den Kundinnen und Kunden auseinander.

Weiße, weite Hemden sind riskant. Sie können schnell nach Marketingkonferenz oder Berlin-Mitte-Brunch aussehen. Bei Esra Gülmen ist es etwas anderes. Oder genau irgendwo dazwischen. Die Knöpfe an Kragen und Ärmeln sind so gelockert, als hätten sie sich selbst befreit. Ihr kurzes, blondes Haar ist geordnet, aber nicht streng. Die Wasserwellen bewahren ein gewisses Maß Nonkonformität. Es ist ein Look, der nicht Disziplin, sondern Haltung verkörpert.

Man kann es übersehen. Oder man kann es als das begreifen, was Esra Gülmens künstlerisches Werk im Kern ausmacht: Balance. Zwischen Härte und Weichheit, Präzision und Spiel, Theorie und Impuls, Humor und Ernsthaftigkeit. In ihrer Arbeit geht es nicht um die eine Wahrheit, sondern um das Aushalten von Widersprüchen. Um das Spannungsverhältnis zwischen Sichtbarkeit und Zensur, Nähe und Distanz, Design und Kunst. Gülmens vielleicht bekannteste Arbeit ist eine Serie von Wippen. Unter dem Titel Controversy Teeter-Totters funktionieren sie genau wie echte Wippen: Sie kippen, balancieren, schlagen zurück. Doch anstelle von Kindern sitzen auf den Enden Begri!e wie „Monogamy/Polygamy“, „Love/Hate“, „I’m Not European/I’m European“. Was auf Instagram ästhetisch charmant wirkt, ist im Raum ein physischer Gedankenzwang. Die Wippen kippen zwischen politischer Botschaft, grafischem Humor und der Erkenntnis, dass Begri!e wie „Yes“ und „No“ manchmal nur eine Frage des Winkels sind.

Die Wippen waren unter anderem in der Bundeskunsthalle in Bonn zu sehen, wurden bei der letzten Art Düsseldorf vom Freundeskreis des Kunstpalastes angekauft und sind aktuell im Skulpturenpark Schlossgut Schwante zu sehen. Es ist Kunst, die den Diskurs kennt – aber lieber in Bewegung versetzt. Und explizit zur Interaktion aufruft! Uncensorable, Little Girl in the Pool, 2024 Dabei hätte alles auch anders laufen können. Die 1986 in Istanbul geborene Gülmen studierte zunächst Innenarchitektur, lehrte an der Universität als Assistenzprofessorin Designgrundlagen und wechselte 2012 in die Werbewelt. Sie arbeitete für Ogilvy in Frankfurt und Amsterdam, später vier Jahre als Head of Design bei Heimat Berlin. Im September 2021 wurde sie zur Design Executive Officer bei Ogilvy berufen – ein Titel wie eine Trophäe. Nur: Nach vier Monaten kündigte sie. Um Kunst zu machen. Auch wenn das formell nur zur Hälfte stimmt. Denn auch ihre künstlerische Arbeit bleibt geprägt von Designwissen: Formdisziplin, Materialkenntnis und dem Bedürfnis, eine Botschaft nicht zu verstecken, sondern zu verankern.

"Berlin gives me freedom", sagt sie. "Istanbul brings me the weight."

Ihre Kunst ist direkt. Sie verwendet kurze Sätze, Fragen, Behauptungen, aber auch prägnante Bilder bis hin zu verbildlichten Botschaften. Nicht, um etwas zu beantworten, sondern – wie sie sagt – „to disturb comfort zones and invite reflection“. Worte sind bei Gülmen keine bloßen Zeichen. „I treat words like shapes or gestures – something you can feel before fully understanding.“ Sie stellt Wörter in den Raum, streicht sie durch, überzieht sie mit Mosaikfliesen, macht sie körperlich. Ihre Sprache ist Form. Ihre Form ein Argument.

Ein Wort, das sie häufig benutzt, ist „Zensur“. Nicht im Pathos der Meinungsfreiheit, sondern als Strategie der Sichtbarmachung. Wenn sie ein Wort durchstreicht, dann „not to delete it, but to draw attention to it“. Wenn sie es mosaikiert, wird es zum Objekt: ein Textkörper, zersplittert, aber anwesend. „Censorship creates desire“, sagt sie. Und meint damit: Das Unterdrückte ist nicht stumm. Es schreit.

Es sind diese Formulierungen, in denen Gülmen ihre frühere Werbesprache nicht verrät, sondern umcodiert. Zwischen Pixel und Satzfragment, zwischen Leerzeichen und Ironie entsteht eine Bildsprache, die ebenso konkret wie offen ist. Neben ihren textbasierten Arbeiten entstehen auch Bilder, in denen sich Menschen küssen, umarmen, einander berühren. Vereinzelt kommt ein einzelner Nippel vor. Doch diese Begegnungen und Intimitäten sind nicht vorrangig romantisch aufgeladen, sondern formal gebrochen: Die Figuren erscheinen fragmentiert, reduziert, oft in einer Ästhetik, die an frühe Computerspiele erinnert. 8-Bit-Körper, die sich nicht über Realismus definieren, sondern über ihre Geste.

 

Esra Gülmen, Ausstellungsansicht, Solo Ausstellung auf der Art Düsseldorf 2025, Courtesy Galerie Judith Andreae, Foto: Felix Contzen

Esra Gülmen, Uncensorable, A love letter, 2025, Courtesy Galerie Judith Andreae, Foto: Natalie Carstens

 

 

Diese grafisch vereinfachten Szenen zitieren einerseits die Bildsprachen der frühen Digitalität – andererseits erinnern sie an das ästhetische Repertoire staatlicher oder moralischer Zensurmechanismen: die verpixelten Augen in Nachrichtensendungen, die Mosaikflächen über nackter Haut, das Unsichtbarmachen als Disziplinierungsversuch.

Gülmen kippt auch hier: Was verpixelt ist, wird nicht unkenntlich, sondern aufgeladen. Es geht nicht um Erotik, sondern um Nähe. Nicht um das Verbergen, sondern um das, was trotz allem sichtbar bleibt. Auch diese Bilder sind Balanceakte – zwischen Form und Bedeutung, zwischen Verflachung und Gefühl. Gülmens Œuvre verteilt sich über mehrere Gattungen – Skulptur, Installation, Malerei –, doch alle ihre Arbeiten kreisen um das Gleiche: das Ringen mit Bedeutung und Macht. Dass ihre Arbeiten heute in Galerien wie Pilevneli in Istanbul gezeigt werden, hält sie nicht davon ab, mit Mode- und Schmucklabels zusammenzuarbeiten. „Collaborations let me test how far an idea can travel across formats – without losing its center.“ Die Idee steht. Ob sie auf einem Shirt, in einer Vitrine oder auf einem ö!entlichen Platz erscheint, ist zweitrangig.

Was sie nicht will: sich wiederholen. Was sie sucht: Spannung. Vielleicht auch das leichte Zittern an der Schwelle zur Überforderung. Ihre Arbeiten entstehen oft auf der Kante zwischen Stabilität und Kontrollverlust. Wie ein Satz, der abbricht, aber dennoch hängen bleibt. Wie eine Wippe, die in der Luft steht. Gülmen lebt heute in Berlin, reist viel, arbeitet oft in Istanbul. „Berlin gives me freedom“, sagt sie. „Istanbul brings the weight.“ Auch das ist ein Gleichgewicht. Zwischen Tempo und Tiefe, zwischen Sprung und Wurzel. In ihrem Werk geht es nicht um Antworten. Es geht um die Reibung. Und darum, wie viel man ausbalancieren kann, bevor etwas kippt. Oder, wie man in Gülmens Sprache sagen würde:

Love/Hate. Yes/No. You/Me.

Wippen. Nicht wanken

 

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