Vier Brands ab dem 3. August bis Ende Oktober exklusiv als Pop-up in Rottbach-Egern zwischen Handwerk, Tradition und modernem Luxus.
Die neue Alpine Ästhetik hat wenig mit folkloristischem Kitsch zu tun und dafür umso mehr mit Haltung, Handwerk und Persönlichkeit. Genau diesem neuen Verständnis von Luxus widmet sich diesen Spätsommer über APROPOS in Rottach-Egern und bringt vier Marken zusammen, die für eine Rückkehr zu Dingen stehen, die bleiben dürfen: handgefertigter Schmuck, aufwendig gestrickte Cardigans und Kleidung, die nicht nur gut aussehen, sondern Geschichten erzählen.
MICHAELA BUERGER
Die Poesie des Strickens
Bei Michaela Buerger beginnt alles mit einer Erinnerung: Lange Winterabende am Fuß der österreichischen Alpen. Das rhythmische Geräusch von Wolle, die durch die Hände ihrer Mutter gleitet. Das Gefühl von Geborgenheit und Zeit, die langsamer läuft. Stricken lernte sie bereits mit vier Jahren – und genau diese emotionale Nähe zum Handwerk spürt man bis heute in jedem ihrer Designs. Ihre Marke versteht Strick nicht als Trend, sondern als kulturelles Erbe. Jahre nachdem sie ihre Heimat verlassen hatte und selbst Mutter geworden war, fühlte sie den Drang, sich mit ebendiesem zu verbinden. Heute entstehen unter ihrem Namen modische Cardigans, Westen und Pullover, inspiriert von alpiner Tracht und traditionellen Stricktechniken. Zopfmuster, Stickereien und folkloristische Motive treffen auf überraschende Farben und moderne Silhouetten.
Michaela Buerger spricht oft davon, dass Kleidung Geschichten tragen sollte. Genau deshalb steckt in jedem einzelnen Teil ein enormer Zeitaufwand: Viele Stücke werden vollständig von Hand gefertigt und benötigen bis zu 70 Stunden Arbeit. Produziert wird gemeinsam mit Kunsthandwerkerinnen in ländlichen Regionen, wodurch traditionelle Techniken erhalten und gleichzeitig neue Arbeits möglichkeiten geschaffen werden. Besonders spannend ist die philosophische Ebene der Marke. Michaela Buerger versteht Tracht nicht als Folklore, sondern als Ausdruck von Herkunft, Erinnerung und Individualität – gerade in einer Zeit, in der Mode oft immer schneller und austauschbarer wird. Oder wie die Designerin selbst sagt: „Beauty doesn’t rush.“ Schönheit braucht Zeit.
ANNINA
Zwischen Tracht, Rock´n´Roll und aristrokratischer Eleganz
Annina gehört zu jenen Marken, die traditionelle Ästhetik nicht konservieren, sondern neu interpretieren. Das Label verbindet bayerische Trachtenelemente mit historischen Referenzen, Rock’n’Roll-Attitüde und dem Glamour der 60er- und 70er-Jahre. Die Gründungsgeschichte könnte authentischer kaum sein: Die in Bayern aufgewachsene Designerin Annina von Pfuel arbeitete viele Jahre als selbstständige Kostümbildnerin für Film- und Opernproduktionen, bis die Pandemie das kulturelle Leben abrupt zum Stillstand brachte. Während Bühnen geschlossen blieben und Produktionen pausierten, gründete sie 2020 in ihrer Wahlheimat London ihr eigenes Label, das neben modernen Trachteninterpretationen inzwischen auch Ready-to-Wear und Brautmode umfasst. Im eleganten Stadtteil Holland Park befindet sich heute der im Stil eines bayerischen Landhauses eingerichtete Showroom der Marke – ein Ort zwischen Londoner Coolness und alpiner Nostalgie, zu dessen Besuchern auch Claudia Schiffer zählt. Samt, antike Stoffe und traditionelle Materialien treffen bei Annina auf frische Farben, schmale Taillen und starke Silhouetten.
Produziert wird in kleinen Manufakturen in Großbritannien, Italien und Bayern. Materialien findet die Designerin nicht selten über Händler, Archive oder auf Flohmärkten. Viele Stücke entstehen in aufwendiger Handarbeit und wirken gerade deshalb persönlich, fast wie geerbte Lieblingsstücke mit eigener Geschichte. Dabei geht es nie um Verkleidung oder nostalgische Folklore. Vielmehr wirken die Entwürfe wie Kleidung für Frauen, die sich bewusst feminin kleiden wollen, ohne dabei altmodisch oder zu geschniegelt zu erscheinen. Die Inspiration aus der Tracht dient als Ausgangspunkt für Individualität und Charakter. Genau darin liegt die Modernität der Marke: Sie versteht Tradition nicht als starre Regel, sondern als Material, das neu gedacht werden darf.
ELIZA WEISS
Schmuckstücke für die Ewigkeit
Man spürt sofort, dass Elisabeth Weiss ursprünglich aus dem Interior Design kommt. Ihre Schmuckstücke besitzen dieselbe klare Ruhe wie gut gestaltete Räume: architektonische Formen, feine Proportionen und ein präzises Gespür für Materialität. Bevor sie 2011 ihre eigene Marke ELIZA WEISS in München gründete, studierte sie Innenarchitektur – doch die Faszination für handwerkliches Arbeiten führte sie schließlich zum Goldschmieden. Heute bewegen sich ihre Designs zwischen Minimalismus und emotionalem Luxus. Elisabeth Weiss geht es um Schmuck, der Teil des Alltags wird – Stücke, die morgens genauso selbst- verständlich getragen werden wie abends. „Schmuck soll nicht nur funkeln, sondern auch wertgeschätzt werden“, sagt die Designerin selbst. Genau deshalb denkt sie ihre Kreationen bewusst außerhalb schneller Trends. Viele Designs entstehen saisonunabhängig und entwickeln sich eher intuitiv weiter. Verwendet werden dafür recyceltes Gold oder Silber und konflikt- freie Edelsteine. Made-to-Order-Anfertigungen sollen Überproduktion vermeiden. Selbst Reparaturen gehören zur Philosophie der Marke – Schmuckstücke sollen bleiben, weitergegeben und irgendwann vielleicht sogar zu Erbstücken werden. Dann für Elisabeth Weiss ist Schmuck auch Erinnerungsträger. Genau daraus entstand die Idee ihrer mittlerweile ikonischen „Permanent Bracelets“ – feine Armbänder aus Gold, die direkt am Handgelenk verschweißt und so zu einem dauerhaften Symbol der Verbundenheit werden. Im Rahmen des APROPOS Pop-ups wird Elisabeth Weiss am 21. und 22. August persönlich vor Ort sein und Besuchern die Möglichkeit geben, sich diese sogenannten „Forever Bracelets“ anfertigen zu lassen – alleine, mit der besten Freundin, der Mutter oder dem Partner. Symbole von Nähe in einer Zeit, die oft so unverbindlich geworden ist.
STUDIO VAN DER ZEE
Zwischen Handwerk und Skulptur
Gegründet wurde Studio van der Zee vom niederländischen Möbeldesigner Rutger van der Zee und seiner Frau Mariella im österreichischen Zillertal – jenem Ort, an dem Mariella selbst aufgewachsen ist. Nach Jahren in Amsterdam zog das Paar bewusst zurück in die Tiroler Alpen, um dort nicht nur eine Existenz, sondern auch ein neues Leben für ihre Familie aufzubauen. Dass Rutger van der Zee heute zu den spannendsten Holzdesignern seiner Generation zählt, war dabei keineswegs vorauszusehen. Ursprünglich arbeitete er als Bewegungstrainer und beschäftigte sich intensiv mit natürlichen Bewegungsabläufen. Stundenlang kletterte er auf Bäume in Parks, beobachtete Formen, Strukturen und Materialien – bis daraus eine tiefe Faszination für Holz entstand. In Österreich entschied er schließlich, aus dieser Leidenschaft einen Beruf zu machen und gründete seine eigene Werkstatt. „Skulpturen haben die Aufgabe, eine emotionale Reaktion hervorzurufen, während Möbel primär einen praktischen Nutzen haben“, sagt van der Zee. Genau zwischen diesen beiden Polen bewegt sich seine Arbeit. Jedes Stück soll funktional sein, gleichzeitig aber auch eine Atmosphäre erzeugen und emotional berühren. Besonders wichtig ist dem Designer dabei die enge Verbindung zur Natur. Studio van der Zee arbeitet fast ausschließlich mit ausgewählten europäischen Hölzern, häufig aus der unmittelbaren Umgebung der Werkstatt. Für van der Zee ist Holz ein lebendiges Material mit eigener Geschichte und Charakter. Seine Arbeiten entstehen vollständig von Hand und tragen genau deshalb jene Ruhe und Wärme in sich, die vielen zeitgenössischen Designobjekten heute fehlt. In einer zunehmend digitalen Welt wirkt Studio van der Zee fast wie ein Gegenentwurf: entschleunigt, sinnlich und kompromisslos auf echte Handwerkskunst fokussiert.
Fotografie: Olya Oleinic